Vor Beginn der Saison hätte man den Oberliga-Kampf Greifswalder SV - Tegel II wahrscheinlich als absolutes Kellerduell eingestuft. Im Wertzahlschnitt lagen beide Mannschaften zwar nominell nicht sehr weit hinter den Konkurrenten zurück, aber es war schon klar, dass einige gemeldete Top-Spieler kaum spielen würden - Thomas Grzesik (3) und Dr. Alexander Heinrich (6) beim GSV sowie die ersten beiden Bretter (wegen 1. Mannschaft) bei Tegel. Damit waren eigentlich beide Mannschaften die klaren Underdogs der Staffel. Es sprach einiges dafür, dass es ein Duell Vorletzter gegen Letzter nach sechs Runden sein könnte, auch nur mit minimalen Klassenerhaltschancen für einen eventuellen Sieger.

Es kam dann aber ganz anders. Die besondere Situation in der OLNO war einmal wieder, dass praktisch wie in den Vorjahren acht von zehn Mannschaften gegen den Abstieg kämpften (oder, anders gesagt, wer sicher die Klasse hält, kann den Aufstieg fast nicht verhindern...). Da machte sich schnell auch bei eigentlich etablierten Teams Nervosität breit und es kamen z.T. sehr überraschende Ergebnisse zustande. Zwar stand Greifswald nach sechs Runden auf dem letzten Platz, aber mit schon nicht für möglich gehaltenen drei Punkten (zum Vergleich: Neubrandenburg holte seinerzeit in der OLNO 0:18) punktgleich mit dem gestandenen Friesen-Team (Deutscher Pokalfinalist 2003! und dick mit IM Meister, FMs und Ex-Fernweltmeister Baumbach besetzt) und durchaus noch vorhandenen Chancen auf den Klassenerhalt. Tegel 2 hatte sogar mit einer Energieleistung aus den Runden 2-4 sechs Punkte auf dem Konto und strebte an, vorzeitig die Abstiegsplätze zu distanzieren.

Nach den bisherigen Ergebnissen waren die Gäste favorisiert, zumal Greifswald (wegen der Teilnahme an gleichzeitigen Turnieren in Ungarn) ersatzgeschwächt antrat. Allerdings mussten die die Hürde des Anfahrtswegs nehmen, was bei dem Wetter dieses Wochenendes nicht leicht war - Stephan Giemsa machte es sicher und wollte noch vor dem Schneesturm in GW sein (was er um den Preis dreier Blitzerfotos auch schaffte...armer Vereinsetat!), das andere Auto kroch eher vorsichtig durch die weissen pommerschen Felder, kam aber auch heil an. Mir selbst kamen am Samstag grosse Bedenken - ich hatte noch einen Tag auf Rügen verbracht und beobachtete am Nachmittag, wie der der Nordost mit Orkanstärke gegen die Küste donnerte (ich hatte den Wissower Klinken noch einen Abschiedsbesuch abgestattet, eigentlich erwarteten wir stündlich, dass sie runterkrachen - tatsächlich hielten sie noch zehn Tage). Abends gingen die Wellen(spritzer) im Sassnitzer Hafen bald auf Leuchtturmhöhe, und da noch der Schnee dazukam, fragte ich mich, ob der knappe Anfahrtsplan (8 Uhr ab Sassnitz, 9 Uhr/9.21 Uhr HST, 9.41 Uhr HGW, Eilmarsch zum VCH) nicht etwas optimistisch war. Tatsächlich ging am Sonntagmorgen auf den Nordrügener Strassen kaum noch was (bei Verwehungen bis Meterhöhe), aber die Bahn hatte mal einen eigenen Sinn für Humor und absolvierte die Verbindungen minutengenau, so dass ich Punkt 10 mit meinen Mitstreitern vor dem Spiellokal zusammentraf. Die Reiseplanung hatte fast Neukloster-Qualität...

Der Kampf war dann vom äusseren Eindruck her eine relativ sichere Sache und endete schliesslich 3:5 (siehe unten), aber man sollte sich nicht täuschen lassen - bis nach der Zeitkontrolle war noch ein Greifswalder 4:4 drin, in den beiden letzten laufenden Partien hätte es auch je ein halber Punkt mehr sein können (und auch vorher hatten wir an einigen Stellen Glück). Das zeigt wieder einmal, wie eng die Leistungsdichte ist und wie knapp die Begegnungen meist ausfallen - mit etwas mehr Glück kann auch Greifswald in zwei Jahren die Klasse halten und sich perspektivisch als zweiter überregional tauglicher Verein aus MV zu etablieren versuchen. Besonders gefreut dürften sich sicher alle für Dr. Mentel haben, der bei seinem ersten Oberligaeinsatz seit ??? Jahren die deutsche Jugendmeisterin mit einer fehlerfreien Leistung souverän bezwang. Der Kampfverlauf im einzelnen:

Maxion, Dirk (2190) - Woll, Wilfried (2178)
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 Se7 5.a3 Lxc3+ 6.bxc3 c5 7.Sf3 Ld7 Dirk hatte in den letzten Partien oft genug einige gute, z.T. ueberlegene Stellungen letztendlich in einen Verlust verwandelt. Keine Frage, dass er schachlich ungeheuer viel drauf hat - aber das allein reicht eben nicht immer. Ich kenne selbst das gut Gefuehl, gegen jemanden zu verlieren, der eigentlich nichts gezeigt und die Partie ueber viel weniger gesehen hat als ich. Leider waechst sich so etwas im Wiederholungsfall zu einem echten psychischen Problem aus - man spielt dann absichtlich schoen und erfolglos, nur um sich zu beweisen, wie ungerecht Schach ist. Um so etwas zu vermeiden, bekam Dirk die harte Anweisung, das schnelle Remis gegen Wilfried (der ja solchem auch nicht abgeneigt ist) zu machen. Bitter, ein Wochenende zu vergeuden und 400km fuer 7 Zuege zu fahren (besonders wenn man gerne schachspielt!), aber auch das ist die harte Realitaet eines Mannschaftskampfes.


1/2-1/2

Teschke, Olaf (2202) - Kalhorn, Stefan
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


Da ich schon am Freitagabend nach Ruegen gefahren war und seitdem meine email nicht mehr gelesen hatte, war ich der einzige Depp der Mannschaft, der nicht wusste, dass zwei Greifswalder Spieler in Ungarn gesichtet wurden und deshalb mit Aufruecken zu rechnen war. Daher musste ich bald komplett improvisieren, was natuerlich auch mal nach hinten los gehen kann (und an solchen Kleinigkeiten haengt mitunter Abstieg oder Klassenerhalt). NB: Keine Kritik an Tegel, aber bei Neukloster waere das nicht passiert - da haette Gunter noch am Samstagabend hinter mir hertelefoniert. Nur so, naemlich mit organisatorischer Perfektion, war es seinerzeit moeglich, trotz begrenzter schachlicher Mittel ueberall in der Spitze mitzumischen.
1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3 e6 6.Sf3 Lb4 7.cxd5 Eine Standardvariante im Panov-Angriff.
7...Sxd5 Fuer mich etwas unangenehm, da ich diese Stellung noch nie auf dem Brett hatte. FM Becker erwiderte in der 2. Runde
[7...exd5 und schoss mich beruehmt mit
8.Ld3 Se4 9.Db3 Da5?! 10.O-O Lxc3 11.bxc3 Dxc3? Als mein Gegner den Bauern verspeiste, wollte ich meinen Augen nicht trauen.
12.Lb5+ Schwarz versank in tiefes Nachdenken.
12...Sc6 13.Dxd5 Sf6? 14.Dd6 Le6 15.La3 Sd5 16.Tae1 1:0 Kurioserweise war dieses Geschenk der Anfang eines richtigen "Laufs" in der Oberliga. Was ein wenig Selbstvertrauen ausmacht...]
8.Ld2 Sc6 9.Ld3 O-O Bis hierhin eine Hauptvariante.
10.Dc2?! Die mangelnde Vorbereitung zeigt sich. d4 wird bald schwach.
10...Sf6 11.Lg5!? Muss schon zu Gewaltmassnahmen greifen. Im Hinterkopf droht Weiss immer noch mit der Option der langen Rochade, was sich auch bei Schwarz bemerkbar macht, der das um jeden Preis (warum eigentlich?) verhindern will.
11...h6 Zum Glueck will Schwarz es nicht wissen. Nach
[11...Sxd4! hatte ich eigentlich nur schlechte Varianten auf dem Schirm, wahrscheinlich haette ich mich fuer volles Risiko entschieden:
12.Sxd4 Dxd4 13.O-O-O
(13.Lxf6 Dxf6 14.Lxh7+ Kh8 15.Le4 Td8- / +)
13...De5 14.f4!?
(14.Lxf6 Dxf6 15.Lxh7+ Kh8 16.Le4- / +)
14...Dc7 15.Tdf1Kompensation z.B. h6 16.Lxf6 gxf6 17.f5]
12.Le3 Jetzt ist der schwarze Koenigsfluegel geschwaecht, was bei normalen Verlauf mit dem Isolani Weiss Optionen gibt.
12...Da5 13.O-O e5?! Die brachiale Methode. Danach loest sich das Zentrum auf. Tueckischerweise war der Zug mit einem Remisgebot verbunden. Da ich spaetestens nach Lg5 wusste, dass es nicht mein Tag ist, erwog ich lange anzunehmen. Schliesslich fand ich nach 40min die genaue Fortsetzung (und ihre Rechtfertigung), die Entwicklungsvorsprung behaelt.
14.Se4 Le7 Am meisten hatte ich
[14...Sg4 berechnen muessen.
15.a3 Schwarz bekommt Probleme bei der Verteidigung von e5.
15...Le7 16.Ld2
(16.b4!?)
16...Dd5 17.h3 Sf6 18.dxe5 Sxe5 19.Sxe5 Dxe5 20.Lc3 s. Partie]
15.Ld2! Ein wichtiger Zwischenzug.
15...Dd5 16.dxe5 Sxe5 17.Sxe5 Dxe5 18.Lc3 De6 19.Tfe1 Db6 Weiss hat einige Tempi gewonnen und steht sicher besser. Zu meinem Aerger geht nicht konkretes gegen die immer noch solide Koenigsstellung.
20.De2 Sd5! Beste Verteidigung, auch wenn ein S abgezogen wird.
21.Le5! Lf5!? 22.Df3 Lg6 23.Lc4 Tad8 Ein zerbrechliches Gebilde, aber es haelt.
24.Tad1? Damit wird die Partie endgueltig zu meiner schlechtesten in diesem Spieljahr. Ein Schablonenzug, der nur dem Turmabtausch dient, was Schwarz beguenstigt. Ich haette das eigentlich geplante
[24.Sg3! spielen muessen.
24...Sf6 25.Sf5+ / -]
24...Lb4! Damit hat Schwarz ausgeglichen.
25.Sc3 Sxc3 26.bxc3 Lc5 27.Dg3?! Uneinsichtig. Wenn ich mit
[27.Ld5 den Turmtausch verhindere, habe ich noch ein paar Drohungen.]
27...Txd1 28.Txd1 Td8! 29.Txd8+ Dxd8 30.h4!? Viel Zeit hatte ich nicht mehr, und ich hoffte, meinen Gegner zum Schnellspielen zu verleiten. Natuerlich hatte Stefan gesehe, dass hier
[30.Dxg6?? an Dd1+ 31.Lf1 fxg6 scheitert und h5 wegen Dd1+/Dxh5 nicht geht. Beides zusammen fuehrte zu folgendem Blackout, der h4 erobern sollte:]
30...Le7?? Nach
[30...Dd2! steht Schwarz schon etwas besser.]
31.Dxg6 Wie gesagt, keine gute Partie, aber wieder einmal die wichtige 1:0-Fuehrung fuer die Mannschaft.


1-0

Schwahn, Christian - Jaehnisch, Frank (2244)
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


An Brett sechs gab es nach einer theoretischen Debatte ein gerechtes Remis.
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.Ld2 Eine sehr scharfe Variante...
4...dxe4 5.Dg4 Sf6 6.Dxg7 Tg8 7.Dh6 Dxd4 ... die ein (moeglicherweise mehrfaches) Bauernopfer beinhaltet.
8.O-O-O Lf8! Die andere Variante ist Tg6 9. Dh4 Tg4, aber meist steht der L auf f8 besser als auf b4 - es gibt Weiss einfach weniger taktische Optionen.
9.Dh4 Tg4 10.Dh3 Dxf2 Spielt hart die Hauptvariante weiter. Frank hatte sich sehr intensiv vorbereitet, Christian ist sowieso Kenner des Systems - daher beide noch immer im Buch.
11.Le2 Tg6 Weiter in der Hauptlinie. Es gilt hier, die interessante Variante/Falle
[11...Th4 zu beachten - das opfert naemlich eine Qualitaet! Nach
12.Dxh4! Dxh4 13.g3 Dh6 14.Lxh6 Lxh6+ 15.Kb1 sollte Schwarz aber trotzdem knapp ausgleichen koennen,
15...Le3 hat in zwei juengeren Fernpartien sogar eisenhart gewonnen.]
12.g4 Hier steht = in einigen Buechern...
12...Dc5 13.Le3
[13.g5? Txg5!- / +]
13...Da5 weicht dem Remis
[13...De5 14.Ld4 Df4+ 15.Le3 De5 aus.]
14.g5 Txg5 15.Dh4 Die Enzy vermerkt hier ! und +/-, was noch von Euwe stammt. Ein Computer sieht natuerlich klaren schwarzen Vorteil. Frank folgte hier den Fritz-Pfaden, was er schon mit Da5 angedeutet hatte.
15...Tg6 16.Sh3 Sbd7 Gibts alles noch. In einer Fernpartie gewann
[16...Lc5 17.Lg5 Sbd7]
17.Sf4 Erstaunlicherweise ist das eine Neuerung, bisher wurde stehts Thf1 gespielt.
17...Tg8 18.Thf1 Le7 Es werden Nachteile von Sf4 sichtbar - hier wuerde man ihn lieber nach g5 spielen.
19.Dh3 Sf8 Eigentlich glaubt man Weiss nicht die Kompensation fuer drei Bauern. Euwes +/- ist vielleicht schlicht nicht mehr angebracht.
20.Sh5 Der letzte Versuch...
20...Sxh5?? mit durchschla gendem Erfolg! Allerdings tauscht man ja auch gerne bei Mehrmaterial ab...
[20...Sd5- +]
21.Lxh5?? laesst sich eine grosse Chance entgehen.
[21.Lb5+! Sd7
(21...c6 22.Dxh5 mit der Doppeldrohung Dxf7 matt und Lxc6 mit Damengewinn!!!)
22.Dxh5 Kd8 23.Dxf7+ -]
21...Sg6 22.Lxg6 hxg6 23.Dh7 Tf8 24.Sxe4 Schwarz steht erneut am Scheideweg.
24...Dh5
[24...Dxa2 sollte forciert zum Remis fuehren:
25.Lh6 Da1+ 26.Kd2 Da5+ 27.Kc1 Dh5 28.Txf7! Txf7 29.Dg8+ Lf8
(29...Tf8 30.Sf6+! Lxf6 31.Dxf8#)
30.Lxf8 Dxd1+ 31.Kxd1 Txf8 32.Dxg6+ Ke7 33.Dg5+ Ke8 34.Dg6+=]
25.Lh6 Ld7 26.Txf7 Txf7 27.Dg8+ Lf8 28.Lxf8 Dxd1+ 29.Kxd1 Tf1+! Hier gibt es bei der analogen Variante zu vorhin schon einige Probleme - Weiss hat a2 noch, und d7 haengt in einigen Varianten.
[29...Txf8 30.Dxg6+ Ke7 31.Dg5+ Kf7 32.Dh5+ Kg7 33.De5+ Kg6 34.Dg3+ Kf5 35.Sc5+ -]
30.Ke2 Lb5+ 31.Ke3 O-O-O Damit ist Schwarz endlich entwickelt und hofft auf die Fesselung.
[31...Txf8?? 32.Dxe6+]
32.Dxg6?! Gibt sofort die Figur zurueck. Interessant ist
[32.Sf2 Te1+ 33.Kf4 e5+ 34.Kg5 Tg1+ 35.Sg4 Ld7 36.h3 Tf1 37.Sf6 Lxh3 Weiss haelt die Figur, kann sich aber schlecht entknoten. Da Weiss keine Koenigsfluegelbauern mehr hat. sollte Schwarz am Damenfluegel mittels Festungsbau remisieren koennen.]
32...Tdxf8 33.Sg5 Te1+ 34.Kd2 Te2+ 35.Kc3 Jetzt hat eher Schwarz wieder Vorteil, aber gegen die vielfaeltigen Dauerschachdrohungen von Dame+Springer ist schwer gewinnen.
35...a5
[35...Le8!? 36.Dh7 Tff2]
36.b3 Txh2 37.Sxe6 Tff2 38.Sd4 c6 39.De8+ Kc7 40.De7+ Kb6 41.Dd8+ Ka6 42.Da8+ Kb6 43.Dd8+ Ka6 44.Da8+

1/2-1/2

Stopsack, Malte - Suchin, Dimitry (2204)
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


An Brett zwei gab es die wahrscheinlich spannendste Partie.
1.e4 e5 2.f4 Ich bewundere eigentlich jeden, der auf unserem Niveau noch bestaendig und halbwegs erfolgreich Koenigsgambit spielt. Ich selbst habe es vor einiger Zeit aufgegeben, nicht weil die Eroeffnung an sich schlecht ist, sondern weil Schwarz sich ca. 30 Varianten aussuchen kann, die mindestens ausgleichen, die Weiss aber alle beherrschen muss, um nicht gleich schlechter zu stehen.
2...exf4 3.Sf3 Le7 4.Lc4 Sf6 5.e5 Sg4 6.O-O d6 7.exd6 Dxd6 8.d4 O-O 9.Sc3 Dh6 Hier ein Beispiel: Das ist mit Sicherheit keine der Hauptvarianten, aber auch in dieser Empfehlung von Bangiev (die man ja auch zu Hause schnell noch mal vorbereiten kann) kommt Schwarz nicht schlecht weg.
10.h3 Se3 11.Lxe3 fxe3 12.Se5 Le6 Auch das ist der neueste Theoriestand, obwohl mir irgendwie die alte Antoschin-Fortsetzung besser gefaellt:
[12...Lf6 13.Sd5 Lxe5 14.dxe5 Le6 15.De2 Sc6 16.Sxc7 Sd4 17.Dd3 Lxc4 18.Dxc4 e2- / +]
13.d5! Und das ist ueberraschend eine Neuerung, und zwar keine schlechte!
[13.Lxe6 Dxe6 14.Df3 c5!- / + Blatny]
13...Sd7! Nach langem Nachdenken, aber die Zeit hat sich gelohnt.
[13...Lxh3 14.d6!
(14.gxh3 Dg5+ 15.Sg4 h5 16.Se4 Dg6 17.Tf4 Sd7 (17...Ld6 18.Sxd6 Dxd6 19.Dd4 hxg4 20.Txg4+ / =) 18.Dd4 hxg4 19.Txg4 Dh6- / +)
14...Lxg2
(14...cxd6 15.Sxf7)
(14...Lxd6 15.Sxf7)
15.Kxg2 Dg5+ 16.Dg4 Dxg4+ 17.Sxg4 Lxd6 18.Txf7+ -]
[13...Lc5 14.De2 Sd7 15.dxe6 Sxe5 16.exf7+ Kh8 17.Lb3+ / =]
14.Sd3! Beim Voruebergehen am Brett bekam ich einen Schreck - wo geht jetzt der Le6 hin?
[14.dxe6 Sxe5 15.exf7+ Kh8 16.Lb3 Lf6]
14...Sb6 Loest es am bequemsten.
[14...Lxh3 ist hier aber vielleicht sogar spielbar:
15.gxh3 Dxh3 16.Df3 Dh4 17.Df4 Sb6 18.Dxh4 Lxh4 19.Lb3 Tae8 und wegen der etwas unbeholfen zusammengedraengten weissen Figuren ist die schwarze Phalanx durchaus eine Macht.]
15.Lb3 Vielleicht zu ehrgeizig.
[15.dxe6 Sxc4 16.exf7+ Kh8 17.Sd5 Lf6=]
15...Ld7 16.Df3 Ld6 17.Tae1 Tae8 18.a4 c6 Zu bescheiden?
[18...f5 19.a5 Sc8 und der Koenigsfluegel kann losrollen.]
19.a5 Sxd5 20.Sxd5 cxd5 21.Lxd5 Lc6! 22.Lxf7+ Kh8 23.Dh5 Dxh5 24.Lxh5 g6 25.Txf8+ Txf8 26.Le2 Schwarz verbleibt mit dem nunmehr unangenehmen Freibauern auf e3 und dem starken Laeuferpaar. Allerdings sind beide schon zeitbedingt im Blitzmodus.
26...Tf5?!
[26...Kg7]
27.Lg4 Txa5 28.Txe3 Lc7 29.Te7 Lb6+ 30.Kf1 Ta1+ 31.Ke2 Lxg2 32.Se5 La5 33.c3 Tb1 34.b4 Lb6 35.Le6?!
[35.Kd3]
35...Tb2+ 36.Kd1 Tb1+ 37.Ke2 Tb2+ 38.Kd1 Damit war ein Remisgebot verbunden, und die Annahme in fortgeschrittener Zeitnot erscheint auch angesichts des Mannschaftsstandes gerechtfertigt, zumal nicht klar war, ob Weiss nicht evtl. doch ein Mattnetz spinnen kann.
[38.Kd1 Le3! Nur das wuerde Schwarz noch Vorteil sichern.
39.Tf7 Entlastet den S von der Deckung von f3.
(39.Sg4?? Lf3+ 40.Ke1 Tb1#)
39...Lh6 40.Sg4 Td2+ 41.Ke1 Td6 42.Kf2 Txe6 43.Kxg2 Lg7 44.Txb7 Lxc3 45.Txa7 Lxb4= / +]


1/2-1/2

Schulz, Stefanie (2070) - Mentel, Juergen Dr (2060)
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


Eine Lehrstunde gab es an Brett 7. Bei seinem ersten Oberligaeinsatz seit mehr als dreissig Jahren dominierte Altmeister Dr. Mentel die deutsche Jugendmeisterin, die allerdings in der Oberliga bisher auch nicht glaenzen konnte (1/7).
1.e4 c5 2.Sf3 a6 3.d3 e6 4.g3 d5 5.Sbd2 Sc6 6.Lg2 Sf6 7.O-O d4 8.e5 Sd5 9.Te1 Le7 10.Sf1 b5 11.h4 Lb7 12.S1h2 Der fuenfte Versuch in dieser Saison, einen Koenigsinder im Anzug gegen eine beliebige schwarze Aufstellung zu spielen. Empfehlung: Eroeffnungs- und am besten gleich Trainerwechsel.
12...Dc7 13.h5 h6 Hier zeigt sich die Erfahrung. Schwarz stellt einfach die Rochade zurueck und laesst Weiss ins Leere laufen. Ohne Schablone wirkt die Jugendmeisterin furchtbar hilflos.
14.Sg4 Td8 15.Sd2 Sb6 16.b3 Sd5 17.Lxd5?? Grauenhafte Schwaechung der weissen Felder, die im folgenden meisterhaft ausgenutzt wird. Im hoeheren Sinne steht Weiss schon auf Verlust.
17...Txd5 18.De2 Td7 19.f4 Sb4 20.Se4 Dc6 21.Kh2 Sd5 22.La3 Sc3 23.Sxc3 dxc3 24.Se3 O-O 25.Lc1 Td4 26.Sd1 c4 27.dxc4 bxc4 28.Le3 Te4 29.Tg1 Lc5 30.Df2 Td8! 31.Lxc5 Td2 32.Sxc3 Txf2+ 33.Lxf2 cxb3 34.Sxe4 Dxe4 35.g4 Dxf4+ 36.Kh3 Dxf2 37.cxb3 De3+ 38.Tg3 Dxe5 39.Tag1 f6 40.b4 Ld5 41.a3 f5 42.gxf5 Dxf5+ 43.Kh4 Df6+ 44.Kh3 e5 45.Tg6 Df5+ 46.Kh4 Df4+ 47.T6g4 Dh2#


0-1

Giemsa, Stephan (2307) - Bartolomaeus, Christian (2261)
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


Auch wenn die Bedeutung der Theorie besonders im Nachwuchsbereich ueberschaetzt wird (dort werden viel zu viele Eroeffnungen gelernt) - ab einem gewissen Niveau erweist sich die Vorbereitung oft als sehr hilfreich. In dieser Partie macht sie schon frueh einen Unterschied:
1.d4 d6 2.c4 f5 3.Sf3 Sf6 4.g3 g6 5.b4 Stephan hatte nicht viel Erfahrung mit den Hauptvarianten und war deshalb auf dieses Nebensystem umgeschwenkt. Eingefuehrt wohl 1989 durch Arsovic, erhielt es kuerzlich die hoehere Weihe durch Kramnik - da kann man in der Vorbereitung schon mal sicher sein, dass wenigstens ein kleiner Vorteil drin ist und man nicht allzuviel riskiert. Die riesige Erfahrung von Christian in diesem System sollte jedenfalls jetzt schon neutralisiert sein.
5...Lg7 6.Lb2 Se4 Durchaus ueblich, in den letzte Partien tendierte man allerdings eher zu
[6...e5 7.dxe5 Sfd7]
7.Dc2! Und die Neuerung, "better than Kramnik". Weiss ueberdeckt b2 und nimmt c5 den Stachel. Der Zug sieht natuerlich aus, aber bisher wurde die Dame (durchaus verstaendlich) noch bei der Deckung von d4 belassen (manchmal zieht sie ja auch besser nach b3). Dennoch gefaellt mir die Stellung jetzt besser als nach
[7.Sbd2 c5]
[7.Lg2 c5]
7...Sd7 8.d5 Sehr konsequent und verpflichtend weitergespielt.
8...Sdf6 9.Lg2 O-O 10.Sfd2 Sxd2 11.Sxd2 e5 12.dxe6 Lxe6 13.O-O c6 Alles waere ok, wenn Schwarz d5 durchsetzten kann. Vielleicht sollte er es jetzt tun und die kleinen Unannehmlichkeiten nach
[13...d5 14.Tfd1 in Kauf nehmen.]
14.Tad1 Db6
[14...d5]
15.a3 Tad8 16.e3 Sg4 Das bricht einige Bruecken hinter sich ab - Schwarz wird in Zukunft kaum einen anderen Plan als den Koenigsangriff haben.
17.Lxg7 Kxg7 18.Sb3 Da6 19.Db2+ Kh6 20.c5 Lxb3 21.Dxb3 dxc5 22.bxc5 Der Plan ist klar - b7 ist die Schwaeche.
22...Txd1 23.Txd1 De2 24.Tf1 Td8 Schwarz hat sich fuer die aktive Verteidigung entschieden.
25.h3! Einziger. 25...Td3 An dieser Stelle mussten beide weit rechnen, und letztlich ist es Schwarz, der eine Kleinigkeit zehn Halbzuege spaeter uebersieht.
[25...Se5 26.Dxb7 Td1 27.Txd1 Dxd1+ 28.Kh2 Sf3+ 29.Lxf3 Dxf3 30.Db2 bietet wohl gute praktische Remischancen.]
26.Dxb7 Sxf2 Das geplante (?)
[26...Sxe3 geht nicht:
27.De7! Txa3 28.Tb1! Ta2 29.Dh4+ Kg7 30.Tb7+ Kh8 31.Dd8# Witzig - Schwarz greift an, Weiss setzt matt.]
27.Txf2 Dxe3
[27...Td1+ 28.Lf1 Dxe3
(28...Txf1+ 29.Txf1 Dxe3+ 30.Kg2 De4+ 31.Tf3 De2+ 32.Tf2 De4+ 33.Kh2 ist kein Dauerschach.)
29.Db8!]
28.Dxc6 Txa3 29.Dd6 Alle Endspiele sind fuer Schwarz verloren.
29...Ta1+ 30.Lf1 Tc1 31.Df4+ Dxf4 32.Txf4 Txc5 Es sieht knapp aus, da ja W den falschen L fuer h hat, aber bei entsprechender Technik ist es kein Problem.
33.Ta4 a5 34.Kf2 Kg5 35.Le2 h5 36.h4+ Kf6 37.Ke3 Ke5 38.Ld3 Td5 39.Tc4 Kd6 40.Td4 Txd4 41.Kxd4 Ke6 42.Ke3 Kd5 Leider bekommen wir nicht das spassige
[42...a4 43.Kf4 a3 44.Kg5 Kf7 45.Lc4+ Kg7 46.Ld5 Kh7 47.Kf6 Kh6 48.Lg8 a2 49.Lxa2 Kh7 50.Lf7 Kh6 51.Lg8 g5 52.hxg5# zu sehen.]
43.Lb5 Ke5 44.Le8 f4+
[44...Kf6 45.Kf4 Kg7 46.Kg5]
45.gxf4+ Kf5 46.Ld7+

1-0

Roehl, Rainer (2198) - Thiele, Matthias
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 b5 4.cxb5 a6 5.bxa6 Lxa6 6.Sc3 d6 7.e4 Lxf1 8.Kxf1 g6 9.g4 Eine scharfe und nicht ungefaehrliche Variante.
9...Lg7 10.Kg2 O-O?! Das wurde in der letzten Zeit auf GM-Niveau seltener gespielt.
[10...Dc8]
11.g5 Sh5 12.Sge2 Sd7 13.b3?! Finde ich inkonsequent - wenn man g4-g5 macht, muss man auch am Koenigsfluegel weiterspielen.
[13.Sg3]
13...Dc8 14.Ld2 Da6 15.Dc2 Se5 16.Tab1 Sd3 17.a4 f5 18.gxf6 Txf6 19.Thf1 Taf8 20.f3 Se5 Schwarz hat erreicht, was er wollte, g4 ist verpufft und hat nur dem Gegner geholfen.
21.f4 Sd7?! Verzichtet auf die Eroberung von f4, Selbstueberschaetzung?
[21...Sd3=]
22.Sb5?!
[22.Tf2 Se5 23.Sb5]
22...Lh6 23.f5 Lxd2 24.Dxd2 gxf5 25.exf5 Txf5 26.Txf5 Txf5 27.Tf1 Tf6 28.Txf6 In diesem Endspiel steht Weiss wahrscheinlich noch ein wenig besser, da Schwarz nicht gut die Damen tauschen kann.
28...Sdxf6?! Wohl als zusaetzliche Koenigssicherung gedacht, aber der Sh5 macht keinen guten Eindruck.
[28...Shxf6 29.Dg5+ Kf7 mit etwas Druck auf d5.]
29.Sec3 Dc8 30.Dg5+ Kf7 31.Se4 Dd7 32.Sbc3?!
[32.h3]
32...h6 Hier und in der Folge spielt Schwarz etwas harmlos. Die weisse Zeitnot konnte sicher besser genutzt werden, etwa
[32...Db7 33.Sd2 Db4]
33.Sxf6 Sxf6 34.Df4 Db7 35.Dc4 Dc8 Hier dachte ich, dass
[35...e6? Weiss aufrollt, aber es folgt das trickreiche
36.Se4!+ / -]
36.a5 Df5 37.a6 Dg5+ 38.Kf1 Dc1+?! Besser
[38...Sg4!? , da der Textzug nicht zum Dauerschach fuehrt.]
39.Ke2 Dc2+ 40.Ke1 Dc1+ 41.Sd1 Da1 42.Kd2 Da2+ 43.Kc1 Se8 Der beste Versuch, und Weiss sieht auch nicht besseres als Zugwiederholung.
44.Df4+ Rainer haette aber
[44.Da4! versuchen koennen mit besserem Endspiel.]
44...Sf6 45.Dc4 Se8 46.Df4+ Sf6

1/2-1/2

Gohm, Rolf - Roth, Josef (2120)
OLNO 0405 Greifswalder SV - SK König Te, 13.02.2005


Am laengsten dauerte Brett 8, eine typische Jupp-Partie. Nach dem Damentausch hat Schwarz etwas Vorteil durch das Laeuferpaar, behaelt auch bei zwischendurch schlechterer Stellung die Zuversicht und hat am Ende mehr Sitzfleisch und die bessere Technik.
1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.g3 g6 4.Lg2 Lg7 5.d3 d6 6.Le3 e6 7.Dd2 Da5 8.Sge2 Sd4 9.Lxd4 cxd4 10.Sb1 Dxd2+ 11.Sxd2 Se7 12.Sc4 Kd7 13.f4 Sc6 14.a4 Tb8 15.Tf1 f5 16.exf5 gxf5 17.Kd2 h5 18.Sg1 d5 19.Sa3 h4 20.Sf3 h3?!
[20...hxg3]
21.Lh1 a6 22.c4 dxc3+ 23.bxc3 Lf6 24.Tab1 Le7 25.Sc2 Kc7 26.Tfe1 Ld7 27.Scd4 Kd6 28.Sxc6 bxc6 29.Se5 Thc8 30.d4 Le8 31.Lf3?
[31.Sd3+ / =]
31...c5 32.dxc5+ Kxc5 33.Le2 a5 34.La6 Td8 35.Sd3+ Kd6 36.Lb5 Lf6 37.Se5 Lxe5 38.fxe5+ Kc5 39.Lxe8 Txe8 40.Kd3 Tg8 41.Tf1 Kc6 Ehrlich gesagt, dieses Endspiel hatten wir nach der Zeitkontrolle schon optmistisch als gewonnen abgeschaetzt. So einfach ist das aber nicht.
42.Ke3? Zeigt eigentlich wieder, wie offen doch oft Mannschaftskaempfe sind.
[42.Txb8 Txb8 43.Kc2 Haelt die Stellung, und dann haette Rainer sicher am Ende noch weitergespielt mit guten Aussichten auf Sieg und 4:4.]
42...Txb1 43.Txb1 Tg4 44.Tb8 Txa4 45.Th8 Te4+ 46.Kd3 Txe5 47.Txh3 Te4 48.Th8 Kd6 49.Tg8 Ke5 50.h3 Te1 51.h4 a4 52.Ta8 Tg1 53.Txa4 Txg3+ 54.Kd2 Tg4 55.Txg4 fxg4 56.Ke3 Kf5

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